Jute statt Plastik

Grüne fordern ökologisches Umdenken in Sachen Hundekot?
Die Satire muß übertreiben
und ist ihrem tiefsten Wesen
nach ungerecht.
Kurt Tucholsky, 1919

Seit Jahrzehnten ist es die wissenschaftliche Standardformel zur Berechnung von Kötern und ihrer Kotmenge: Körpergewicht mal drei durch fünfzig. Bei etwa fünf Millionen Hunden in Deutschland, denen ein Durchschnittsgewicht von je zehn Kilogramm zugrunde gelegt wird, ergibt dies täglich einen imposanten Haufen von 3 Millionen Kilo Hundekot. Diese Menge bringt beachtliche Entsorgungsprobleme mit sich.

Der vorgeschriebene Weg: Mit dem Plastik-Kackbeutel, egal ob nun die kostenfreien der kommunalen Müllabfuhr oder die aufgehübschten Gassi-Beute der einschlägigen Hundezubehör-Indusrie, sollen die glipperigen Haufen oder hart getrockneten Würste aufgehoben und in Papierkörben entsorgt werden.

Allein in Hamburg hat die Stadtreinigung im vergangenen Jahr 26 Millionen Beutel verteilt, 2,3 Millionen mehr als 2012. Und die Hamburg Straßenkehrer rechnen vor: „Bei rund 45.000 derzeit in Hamburg gemeldeten Hunden fallen täglich 13 Tonnen Hundekot an. Das sind rund 4.800 Tonnen Hundekot pro Jahr. Auf jeden Hamburger Hund kommen 585 Gassi-Beutel jährlich oder 1,6 Gassi-Beutel pro Tag.
Der für die Hundehalter kostenlose Service kostete die Stadtreinigung 2013 rund 131.000 Euro. Das waren fast 12.000 Euro mehr als 2012.“

Doch nicht nur die Kostenexplosion bereitet den Hamburgern Kopfzerbrechen. Zunehmende Kritik kommt auch von der „Vereinigung der hanseatischen Flaschensammlern“ (VhFs). Immer öfter greifen sie in den roten Tonnen nicht mehr nach Flaschen und Dosen, sondern direkt in die unsorgsam schlecht
verschlossenen Kot-Beutel. Oftmals sei ihr Sammelgut auch so von den tierischen Exkrementen verunreinigt, dass die örtlichen Flaschensammelstellen bei Rewe, Penny oder Aldi eine kostenerstattende Annahme schlicht verweigern.

Einen möglichen Ausweg aus dieser verdreckten Situation könnte mit ein bisschen politischem Willen jetzt eine Initiative der Grünen bringen:
Auf einer sehr gut besuchten Pressekonferenz im Berliner „Café Paris“ stellte Ex-Umweltminister Jürgen Tritin einen grünen Entsorgungsplan vor. Ihm gehe die „unerhörte Menge der täglich anfallenden Plastik-Beutel“ schon seit längerem „derart auf den Zeiger“, dass hier endlich ein „ökologische Umdenken“ gefragt sei. Sein grüner Ausweg: Jute statt Plastik. Nicht länger solle Hundekot in den umweltschädlichen Plastiktüten gesammelt werden, sondern er wird in Jutetaschen deponiert, im heimischen WC entsorgt und die Jutetasche geht dann ab in die Öko-Waschmaschine.

Ein Plan, der sofort die begeisterte Unterstützung des Dachverbandes, der „Kooperationsgemeinschaft deutscher Pfandflaschensammler“ (KdF) fand. Und auch vom Nebentisch kam knurrende Zustimmung. Franz-Josef Wagner war von der Pressekonferenz derart begeistert, dass er sofort einen Brief an den „lieben Kackbeutel“ schrieb. Der Mann kennt sich aus und weiß, wovon er spricht. Gustav Larc